Station 14: Hauptfriedhof
In den letzten 30 Jahren nahm die Anzahl der Fluginsekten in Deutschland laut der Krefelder Studie um 75% ab. Der Weltbiodiversitätsrat befürchtet einen Verlust von über einer Million Arten in den nächsten Jahrzehnten. Im Zeitalter des ungebremsten Artensterbens bieten Friedhöfe die Möglichkeit, Leben zu erhalten.
Den Hauptfriedhof Konstanz im Stadtteil Petershausen gibt es seit 1870. Friedhöfe haben als Ort der Trauer einen besonderen Status, auch in der Stadtplanung. Sie bestehen meistens schon mehrere hundert Jahre und werden auch weiterhin als grüne Inseln in den Städten erhalten bleiben.
Ihre Baumbestände sind oft alt und wertvoll. Zusammen mit den Grünflächen und Hecken bieten sie vielen Tieren einen unverzichtbaren Rückzugsort. Eichhörnchen, Igel, Bienen, zahlreiche Vogel- und weitere Insektenarten leben hier.
Entscheidend für die Förderung der Artenvielfalt ist die Gestaltung der Friedhöfe. Dabei kommt es auf die kommunalen Gärtnereien und auf die Angehörigen der Verstorbenen an. So kann man der Natur helfen, indem auf den Grünflächen artenreiche Blühwiesen angelegt werden. Bestäubende Insekten brauchen eine ganzjährige heimische Blühbepflanzung statt exotischer Grabbepflanzung. Bei der Grabpflege kann man torffreie Blumenerde verwenden und auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Vögel freuen sich über Nisthilfen, Futter- und Wasserstellen. Erdhummeln und andere Sandinsekten benötigen Sandarien. Auch Totholzhaufen sind super gute Rückzugsorte.
Auf dem Konstanzer Hauptfriedhof sind natürlich auch einige bedeutende Persönlichkeiten beerdigt, beispielsweise Marie Ellenrieder, eine deutsche Malerin, die von 1791 bis 1863 lebte, und Johann Martin Schleyer, der im späten 19. Jahrhundert die erste Weltsprache Volapük erfand.