Station 17: Ermatinger Becken und Hegnebucht

 

Zwei der wichtigsten Lebensräume für rastende, brütende und überwinternde Vögel am Bodensee sind das Ermatinger Becken und die Hegnebucht. Im Winter stößt man hier auf bis zu 50.000 Vögel, unter denen vor allem Reiherenten, Tafelenten und Blässhühner dominieren. Geliebt wird das Gebiet aber mindestens ebenso sehr von Gründelenten, die auf Nahrungssuche nur mit dem Kopf unter Wasser gehen und daher auf Flachwasserzonen angewiesen sind. Zu ihnen zählen etwa die Spieß-, Löffel-, Schnatter- und Stockenten. Als ornithologische Highlights präsentieren sich im Winter hier zudem Singschwäne und sogar der ein oder andere Zwergschwan.

Zur Brutzeit im Frühling verwandeln sich Ermatinger Becken und Hegnebucht zum Kindergarten für den Nachwuchs von Blässhühnern, Haubentauchern und auch von seltenen Arten wie der Bartmeise oder der Rohrweihe. Deren gaukelnder Flug über die Schilffläche ist beispielsweise vom Reichenauer Damm gut zu beobachten. Zur sommerlichen Mauserzeit, während der viele Vögel ihr Federkleid auswechseln und zeitweise flugunfähig sind, dient die Flachwasserzone als wichtiges Rückzugsgebiet – auch für seltene Arten wie die Kolbenenten, von denen in guten Jahren bis zu 4.000 Exemplare ihre Mauserzeit im Ermatinger Becken bzw. der Hegnebucht verbringen.

Ein beeindruckendes Schauspiel für Vogelbegeisterte bietet sich schließlich im Herbst, wenn tausende Stare auf der Suche nach einem Schlafplatz abends ins Schilf einfallen. Viele Wattvögel, die man sonst nur von der Nordsee kennt, nutzen die Gegend als Rastplatz auf ihrem Weg in den Süden, ebenso seltene Arten wie die Knäkente.

Durch alle Jahreszeiten hindurch ist das Vogelvorkommen im Ermatinger Becken und der Hegnebucht stark abhängig vom Wasserstand, so dass schon leichte Schwankungen fatale Auswirkungen haben können: Hohe Wasserstände im Winter behindern Gründelenten bei ihrer Nahrungssuche, niedrige Wasserstände im Frühjahr rauben Brutvögeln den Schutz ihrer Nester vor Fressfeinden im Schilf. Klimawandelbedingt verstärken sich jedoch diese Wasserstandschwankungen am Bodensee – und mit ihnen ihre Folgen für die Vogelwelt vor Ort.

 

Zurück zur Übersicht