Station 18: Wollmatinger Ried
Vor euch liegt der Gottlieber Weg, eine öffentlich begehbare Schneise durch das Wollmatinger Ried, die es ermöglicht, dieses Naturschutzgebiet hautnah zu erleben. Das Wollmatinger Ried bietet über 600 Pflanzenarten, 290 Vogelarten und tausenden anderen Tieren einen Lebensraum. Da unter diesen viele bedrohte und extrem seltene Arten vorkommen, steht das 767 Hektar große Gebiet seit 1938 unter Naturschutz. Das bedeutet, dass man es nur auf ausgeschilderten Wegen wie dem Gottlieber Weg betreten darf.
Neben dem Weg verläuft der sogenannte "Klärkanal", der heutzutage aber nur mit Regenwasser gefüllt ist. Er trennt das Ried in Ost und West, was für die Tierwelt – besonders für nicht flugfähige Insekten und andere Tiere – ein Problem darstellt, wenn sie vor Überflutungen in den höher gelegenen Ostteil fliehen müssen. Als Ausgleichsmaßnahme seht ihr am Wegesrand immer wieder sogenannte „Grünbrücken", über die die Tiere den Kanal überqueren können und die somit den Austausch zwischen Ost und West ermöglichen.
Besonders wichtig für die Artenvielfalt der bedrohten Arten sind die sogenannten Streuwiesen, die westlich des Gottlieber Weges vorkommen. Hier wächst vor allem das Pfeifengras, welches früher als Einstreu genutzt wurde und dessen Abmähen die Wiesen ausmagerte, was Platz für bedrohte Enzian- und Orchideenarten schuf. Die Streuwiesen bieten einen deutlichen Kontrast zu den üppig grünen Fettwiesen östlich. Heutzutage wird die Mahd der Streuwiesen und die Abtragung des Pflanzenmaterials vom NABU und beauftragten Landwirten übernommen, die auf eine minimal-invasive Pflege fokussiert sind. Eine nachhaltige Art, das Ried zu „pflegen“, seht ihr auf der Rinderweide. Die Schottischen Hochlandrinder halten die Magerwiese kurz, ohne den empfindlichen Boden des Rieds zu beschädigen.
Am Ende des Gottlieber Weges trefft ihr mit Blick auf den Schweizer Ort Gottlieben auf den See-Rhein, der den Obersee mit dem Untersee verbindet. Wenn ihr bis dorthin radeln wollt, müsst ihr allerdings auf dem gleichen Weg zurück, da der Gottlieber Weg eine Sackgasse ist.