Station 5: Hockgraben – Streuobstwiese

 

Ihr seid direkt neben einem vielfältigen Biotop angekommen - der Streuobstwiese! Wenn ihr Glück habt und diese Tour im Herbst radelt, findet ihr sicher ein paar Äpfel alter Arten unter den Bäumen, zum Beispiel Blauacher oder den Hildeapfel. Viele solche Arten finden sich in keinem Supermarkt. Einige sind robust gegenüber starkem Regen, andere halten Krankheiten stand oder sind viele Jahrzehnte alt, und wieder andere sind sogar für Allergiker*innen geeignet. Aber nicht nur Menschen finden hier Snacks für die Radtour – auch Insekten, Reptilien und Vögel lieben solche Wiesen. Sie brüten hier und finden Nahrung. So können in einem einzigen Baum mehr als 1.000 Käfer, Schmetterlinge und Fliegen leben. Außerdem sorgen Streuobstwiesen dafür, dass Wind und Regen der Landschaft weniger schaden: zum Beispiel, indem sie mit ihren Wurzeln Bodenerosion verhindern, so dass der Boden nicht vom Regen abgetragen wird.

Und hier entsteht noch mehr! Nämlich eine FFH-Mähwiese – die Abkürzung steht wieder für Flora-Fauna-Habitat. FFH-Mähwiesen sind extensiv bewirtschaftete Wiesen für die Heugewinnung, die über mehrere Jahrzehnte durch ein- bis zweimaligen Jahresschnitt entstanden sind. Durch die im Vergleich seltene Mahd, geringe bis ausbleibende Düngung und in der Regel keinen Pestizideinsatz werden Nischen für Pflanzen geschaffen, die magere Standorte bevorzugen. Hier haben sie die Chance zu wachsen. In häufig gedüngten und oft gemähten Wiesen, also auf intensiv genutztem Grünland, sind sie nicht konkurrenzstark genug gegenüber Löwenzahn, Futterklee und Co. Intensiv genutztes Grünland, auch „Fettwiesen“ genannt, ist daher im Vergleich auch eher artenarm. Die FFH-Mähwiesen erschaffen also durch eine traditionelle Bewirtschaftung einen Raum mit einer hohen Pflanzenvielfalt, was direkt auch in einer hohen Tiervielfalt, insbesondere bei der Insektenfauna, resultiert.  Mit etwas Glück könnt ihr im Frühling eine Wiesenprimel oder ein Wiesenschaumkraut, im Sommer die bekannte wilde Möhre oder im Herbst ein paar (giftige!) Herbstzeitlose entdecken, die sich als Krokusse verkleidet haben.

 

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